Haus Siekmann

ZUR GESCHICHTE

Die Geschichte der ehemaligen Hofstelle Schöckinghoff, heute HAUS SIEKMANN, lässt sich bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts zurückverfolgen. Namengebend für den Hof, der zunächst vermutlich in der Bauernschaft Brock beim Hof Vornholt lag, war die Adelsfamilie Scocke (Schocke). Die Schockes gehörten zu den ersten Adelsfamilien, die Bürger der noch jungen Stadt Sendenhorst geworden waren. Wie die meisten Adeligen hielt es die Familie jedoch nicht lange in der Stadt. Bereits 1331 - bei der ersten urkundlichen Erwähnung des Hofes - wird das Anwesen von Hermann von Hunefeld, seiner Frau und seinen erbberechtigten Kindern an Domgeistliche veräußert. Das große Aufgebot an Bürgen und Zeugen, unter ihnen zahlreiche Adelige, die diesem Akt beiwohnten, zeugen von der Bedeutung des Verkaufsobjektes. 6 Jahre später übernahm das Stift Freckenhorst die Hälfte des Schöckinghoffs durch Kauf, für die andere Hälfte wurde fortan eine Kornrente an den Elisabethaltar im Dom zu Münster gezahlt. Im ausgehenden Mittelalter bekam auch der Schöckinghoff die Folgen des über Europa hereinbrechenden „Schwarzen Todes“ zu spüren. Die Dezimierung der Bevölkerung in Sendenhorst war so gravierend, dass man bis 1385 daran ging, den Befestigungsring um die Stadt enger zu ziehen. Die inzwischen unbesiedelte Oststadt wurde aus der Umwallung entlassen und als Gartenland genutzt. Im Westen der Stadt wurden Wall, Graben und Stadttor nach außen verschoben, die ursprünglich vor der Stadt liegenden Höfe Schulze Tergeist und Schöckinghoff und der sich in der Nähe befindliche Gerichtsplatz gerieten dadurch hinter die Wälle.

Aus der Folgezeit ist wenig überliefert. Bekannt ist, dass das Stift Freckenhorst um 1570 größere Abtrennungen von Hofesländereien durch den rücksichtslosen Bürger Bernd zur Straten gt. Boedecker verhinderte. Im 30jährigen Krieg wurde der Hof wüst, ein Teil der Ländereien in Gärten verwandelt, ohne das jedoch direkte Kriegsfolgen nachweisbar sind. Aus dem Jahre 1768 ist bekannt, dass der Schöckinghoff wieder mit einem Bauern (Zeller) besetzt war. Der letzte Besitzer des Hofes, Gerhard Heinrich Bischoff gt. Schöckinghoff verkaufte bis zu seinem Tode 1899 nach und nach sämtliche Ländereien. Seine direkten Nachfahren verließen Sendenhorst bald nach Verkauf der Hausstätte an Immobilienhändler in Coesfeld während oder kurz nach dem I. Weltkrieg. 1921 erwarb Bernhard Siekmann, ein aus Hoetmar stammender Kaufmann, Wirt und Viehhändler, das Anwesen. Sein Enkel Josef Siekmann eröffnete in der ehemaligen Hofstelle ein Hotel Garni, 1992 verkaufte der das Anwesen an die Stadt Sendenhorst.

BAUGESCHICHTE
Nach großen Veränderungen durch die Stadtsanierung in den siebziger Jahren entstand um 1990 der Gedanke und das politische Ziel, das stadtbildprägende, historische Gebäude Siekmann für Sendenhorst zu erhalten und es einer neuen, öffentlichen Nutzung zuzuführen. Haus und Nutzungskonzept der Stadt überzeugten im zuständigen Ministerium in Düsseldorf so sehr, dass die Stadt noch vor Bewilligung der Fördermittel Grundstück und Gebäude erwerben durfte und mit den Detailplanungen beginnen konnte, die in ein Vorhaben mit 4 Bauabschnitten: VILLA, KAMINRAUM, TENNE und Außenanlagen mündeten.

Am 30. Juli 1994 begannen die Arbeiten am Villenteil mit vielen freiwilligen Helfern, die ausräumten und Abbrucharbeiten vornahmen. Die Handwerker trafen vom Keller bis zum Dachstuhl immer wieder auf neue Probleme: die Fundamente reichten nicht, der Kellerboden musste abgesenkt werden und mehr konstruktive Holzteile als geplant mussten ausgetauscht werden. Das Können der Handwerker, des Architekten und der Ingenieure und das Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer aber meisterten alle Hürden und so konnte am 3. Oktober 1995 als erstes die VILLA mit einem Fest der Öffentlichkeit übergeben werden.

Im zweiten Bauabschnitt, dem KAMINRAUM, leisteten viele freiwillige Helfer einen Grossteil der Arbeit. Besondere Herausforderungen blieben auch hier nicht aus: ein neuer Eichenbalken von 5 m Länge und 30 cm Höhe und Breite war einzufügen, neue Fliesen mussten beschafft werden, die dem bestehenden Boden angepasst sind, Fachwerk war instand zu setzen und teilweise zu erneuern, der Kamin wieder in einen benutzbaren Zustand zu bringen. Zur Eröffnung der Ausstellung „St. Martin in unserer Mitte“ wurde der KAMINRAUM am 8. November 1997 in Benutzung genommen. Parallel war die weitere Planung der TENNE erfolgt. Die unvorhersehbaren Baumassnahmen hatten aber den ursprünglichen Kostenrahmen ausgeschöpft. Erst als das Land NRW deswegen zusätzliche 586.000 DM (heute rund 300.000 €) bewilligte, konnte es mit den Bauarbeiten weiter gehen: Dachstuhl und Giebelwand waren zu sanieren, der alte Dachboden aus Eichenbohlen musste komplett erneuert werden, ebenso der Boden der Hillen. Das Fachwerk musste teilweise erneuert und auch verstärkt werden. Nicht nur hier leistete alte Handwerkskunst Vorbildliches. Leider fanden sich keine geeigneten Dielenplatten mehr für die TENNE. Mit den jetzt verwendeten Klinkerplatten wurde allerdings auch eine Lösung gefunden, die sowohl denkmalgerecht ist als auch moderne Heizungstechnik im Fußboden zuließ. Als vierter Bauabschnitt nahm parallel der Garten seine heutige Gestalt an. Auch hier brachten sich wieder zahlreiche Bürgerinnen und Bürger bei Planung und handwerklicher Arbeit ein. Als STADTGARTEN dienen die Außenanlagen nun auch allgemein der Öffentlichkeit.

So ist aus einem alten, sanierungsbedürftigen Gebäude für ca. 4,3 Mio. DM, heute rund 2.2 Mio. €, ein modernes Zentrum für alle Bürgerinnen und Bürger und für Gäste der Stadt entstanden. Das Land förderte dies mit ca. 2,9 Mio. DM, heute rund 1.5 Mio. €, ehrenamtlich wurden über 1.000 Arbeitsstunden und viele Planungshilfen geleistet. Dadurch musste die Stadt Sendenhorst für den Erwerb und den Umbau von HAUS SIEKMANN selbst nur etwa 1,3 Mio. DM, heute rund 665 T. € aufwenden. Eine gelungene Zukunftsinvestion, sicher auch noch für kommende Generationen. Vollständig eröffnet mit einem bunten Kulturfest am 12. und 13. September 1998.

DENKMALPFLEGE
Im Zuge der Stadtsanierung in den 70er Jahren sind in der historischen Stadtmitte von Sendenhorst viele Gebäude abgerissen worden. Umso bedeutsamer war es, HAUS SIEKMANN der Nachwelt zu erhalten. Der bis Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Namen „Schöckinghoff” bekannte Gebäudekomplex wurde 1991 als HAUS SIEKMANN zum Denkmal erklärt. Es besteht aus dem mehrfach umgebauten Fachwerkbau mit vorgeblendeter Giebelfassade aus dem Jahre 1882 und dem rückwärtig quer vorgelagerten zweigeschossigen Ziegelsteinbau, der um die Jahrhundertwende entstand. HAUS SIEKMANN stellt ein herausragendes Einzelbauwerk dar, das in besonderer Weise die Lebensweise der Menschen in der Ortslage Sendenhorst dokumentiert und damit eine Bedeutung für die Geschichte hat. Gleichzeitig kommt ihm aufgrund seiner zentralen Lage und der Tatsache, dass es den Sendenhorster Ortskern entscheidend mitprägt, auch eine hohe städtebauliche Bedeutung zu. Daneben sprechen auch künstlerische Gründe für eine Erhaltung des Gebäudes: Künstlerisch bedeutsam ist insbesondere der plastische horizontal und vertikal gegliederte Giebel auf der Südseite des Tennentraktes und die äußere Gestaltung des Villenteils. Die bauliche Vielfalt und die ortsbildprägende Lage des Gebäudekomplexes haben zu einer unverwechselbaren städtebaulichen Situation geführt.

Die Eintragung in die Denkmalliste war der erste wichtige Schritt, um HAUS SIEKMANN auch für zukünftige Generationen zu erhalten. So mussten z. B. die historischen Innen- und Außentüren aber auch - soweit möglich - die Böden erhalten und fachgerecht restauriert oder ersetzt werden. Die gleichen Vorgaben galten für die historischen Fenster. Ein weiteres Beispiel sind das Ständerwerk und die Hillen im Bereich der TENNE. Beides war komplett zu erhalten, um die alte Funktion auch bei der neuen Nutzung zu dokumentieren. Das Dach behielt seine alten Pfannen, die nach alter Dachdeckerkunst wieder mit Dokken neu verlegt wurden. Die nunmehr abgeschlossenen Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten am gesamten Gebäudekomplex sind also maßgeblich von der Denkmalpflege beeinflusst worden. Der Abschluss der Arbeiten zeigt eine gelungene Verbindung zwischen alt und neu. Die Eröffnung von HAUS SIEKMANN findet am 13. September 1998, dem „Tag des offenen Denkmals“ statt.

TENNE
Aufgrund der Größe des Raumes ist die TENNE von HAUS SIEKMANN als Aufführungsort für verschiedene kulturelle Veranstaltungen, als kulturelle und soziale Begegnungsstätte wie auch für kleinere Konferenzen, als Tagungsstätte für Gremien und Versammlungen und für vieler Art Workshops nutzbar. Das erhaltene Stände werk, die Hillen, Fenster, Türen und das große Tennentor - allesamt denkmalgerecht renoviert – vermitteln noch viel von der Ursprünglichkeit des Raumes und geben den Veranstaltungen eine besondere Atmosphäre. Ausstellungen sowie Veranstaltungen auf der TENNE aus den Bereichen Musik, Kabarett, Theater, Kunst und Film bereichern das kulturelle Leben in Sendenhorst deshalb nicht nur, sondern geben ihm auch eine besondere Note. Die Fertigstellung der TENNE im September 1998 bildet den Abschluss der Bauarbeiten zur Erhaltung und neuen Nutzung von HAUS SIEKMANN.

KAMINRAUM
Ursprünglichkeit, denkmalgerechte Renovierung und besondere Atmosphäre: das gilt gleichermaßen auch für den KAMINRAUM. Der Heimatverein nutzt diesen im November 1997 fertig gestellten Raum als seine Begegnungsstätte. Er führt hier z.B. plattdeutsche Lesungen und Gesprächskreise sowie die Übungsabende seiner Volkstanzgruppe durch. Darüber hinaus ist auch der KAMINRAUM vielfältig und zugleich von anderen Gruppen nutzbar. Für die Stadt selber z.B. als Empfangsraum bei besonderen Anlässen und – auf besonderen Wunsch - auch für Trauungen. Die Architektur des Raumes bietet sich gerade für Veranstaltungen mit Begegnungscharakter an, die einen kleineren Rahmen als beispielsweise die TENNE benötigen: Jazzfrühschoppen, „Kino am Kamin“, Kammerkonzerte, Literaturvorträge, Matinées, kleine Ausstellungen und Diskussionsforen.

Bemerkenswert: 44 Eichenstühle für den KAMINRAUM konnten im Rahmen einer vom Heimatverein durchgeführten und mitfinanzierten Aktion „Stuhlspende“ beschafft werden.

VILLA
Alle jungen Menschen in der Stadt soll ein Angebot der Jugendarbeit erreichen, das ihren Bedürfnissen entspricht. Das umfasst die allgemeine Freizeitgestaltung ebenso wie die Entwicklung und Entfaltung individueller Persönlichkeiten im musisch-kulturellen, gesellschaftlich-politischen und geistig-religiösen Bereich. Und es geht um Hilfen, um bei den zunehmenden Anforderungen und Konflikten in den Familien, im Schul- und Arbeitsleben, in der Gesellschaft insgesamt, zu bestehen. Neben der Jugendarbeit der Kirchen und in vielen Vereinen hat sich das Jugendwerk Sendenhorst e.V. ausdrücklich der offenen Jugendarbeit verschrieben und ist dafür Partner der Stadt. Im „hotspot“ - so heißt das Jugendheim im HAUS SIEKMANN – macht das Jugendwerk an zumeist 5 Tagen der Woche zwanglose und unverbindliche Angebote. Ausgehend von den Bedürfnissen der jungen Menschen werden diese Angebote von dem aus zwei hauptberuflichen Fachkräften und einigen Honorarkräften bestehenden Fachteam vorbereitet und durchgeführt. Im Vorstand des Jugendwerks werden die grundlegenden Themen unter Mitwirkung des Fachteams behandelt.

Seminarräume/Büros
Die beiden oberen Etagen der VILLA bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten zur Freizeitgestaltung und vor allem auch im Bildungsbereich: Beratung und berufliche Qualifizierung, Seminare, Sprachkurse, Diskussionsforen, Musikschule und VHS sind einige Stichwörter zur Nutzung der Räume in diesem Gebäudeteil. Die erste Etage mit einem großen Seminarraum und drei kleineren Gruppenräumen eignet sich besonders für Tagungen, Seminare und Kursangebote. Die Räume bieten gemeinnützigen Vereinen, Elterninitiativen und weiteren Gruppen zudem Platz für Vorstandssitzungen und Gesprächskreise, für Informationstreffen und Arbeitsgruppen. Die gesamte Etage kann auch geschlossen für Wochenendseminare, Workshops u.ä. belegt werden. Der angrenzende Garten bietet dabei entsprechende Erholungsmöglichkeiten.

STADTGARTEN
Die Außenanlagen von HAUS SIEKMANN sind - wie die ganze Einrichtung - auf eine vielfältige Nutzung ausgerichtet. Die Bezeichnung STADTGARTEN steht zugleich für dessen Öffentlichkeit und seine Lage inmitten der Stadt: Ein Ort der Ruhe und Erholung für die Bürgerinnen und Bürger auch unabhängig von Veranstaltungen im Haus. Die öffentliche Funktion wird dadurch unterstrichen, dass die Wege über das Gelände als innerstädtische Fuß- und Radwege zu nutzen sind. Besonders als direkte Verbindung zwischen Fußgängerzone und Nordenpromenade - abseits vom Straßenverkehr. Der Stadtgarten bietet sich aber auch für die verschiedensten kulturellen Veranstaltungen an: Konzerte, Theater, Kabarett usw. können dort ebenso durchgeführt werden wie Begegnungsfeste. Darüber hinaus erweitert der Garten die Möglichkeiten für die Jugendarbeit und die anderen Nutzer im Haus.

Texte: Stadt Sendenhorst

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